Checkliste

 Mit Lernbarrieren umgehen

Sie finden im Folgenden sechs Möglichkeiten und Empfehlungen, wie Sie Lernbarrieren umschiffen können. Das Bild des Schiffes soll deutlich machen, dass es um kluges Navigieren geht.

Lernbarrieren durch innere Haltung umschiffen

Kursleitende sollten nie vergessen, dass Lernbarrieren, Blockaden oder Widerstände gar nichts Gemeines, Böses, gegen die Kursleitenden Gerichtetes sind, „sondern sie sind oft berechtigt, verständlich und begründbar“ (Faulstich & Grell, 2003, S. 3). Vor diesem Hintergrund lautet die Empfehlung: Wir müssen uns innerlich und äußerlich auf unsere Lernenden einlassen und dürfen sie und ihre Barrieren nicht bekämpfen. Wie kann das gehen?

  • Entwickeln Sie eine Haltung der Akzeptanz
  • Fragen Sie nach und hören Sie aufmerksam zu, um Hintergründe zu verstehen
  • Verlieren Sie nicht den Mut, sondern entwickeln Sie die Energie für das Ermöglichen immer wieder neuer Lernerfahrungen für die Teilnehmenden.

 

Präventive Didaktik

Wichtig ist es, sich Gedanken zu machen wie eine präventive Didaktik gestaltet werden kann. Die präventive Didaktik will ganz gezielt gelingendes Lernen ermöglichen. Das Lernen soll so gestaltet werden, dass die Fähigkeiten zur Selbstbestimmung, zur Mitbestimmung und zur Solidarität und Zusammenarbeit gefördert werden. In diesem Sinne nutzt sie die Kunst der Pädagogik, um Barrieren im Lernen möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen oder sie als Lernanlass zu nutzen. Als Kursleitende könnten Sie sich dabei von folgender Devise leiten lassen:

„‚Lernwiderstände aufdecken – selbstbestimmtes Lernen stärken’. Ganz bewusst heißt es nicht ‚Lernwiderstände bekämpfen’, und auch nicht ‚selbstbestimmtes Lernen erzeugen’. Es geht um ‚aufdecken’ und ‚stärken’, weil wir, wenn wir über Lernwiderstände reden, auch überlegen müssen, wann solche berechtigt sind.“ (Faulstich & Grell, 2003, S. 1)

Professionelle Selbstreflexion

Wann, wo und warum haben sich im eigenen Lernen Barrieren aufgetan, die überwunden werden mussten, um den Lernerfolg zu sichern? Sich an die eigenen Lernbarrieren, ihre Funktion und Wirkungen und die Wege zu ihrer Überwindung zu erinnern, erleichtert das Verständnis für die vielfältigen Lernbarrieren, mit denen Sie heute in der Bildungspraxis konfrontiert werden. Dabei lohnt es auch, der Frage nachzugehen, was aus der Erfahrung mit Lernbarrieren zu lernen war und ist.

Interaktion mit den Lernenden

Es ist ein lohnender Weg, mit Lernenden über ihr eigenes Lernen gemeinsam nachzudenken. Lernbiographische Reflexionen ermöglichen Lernenden einen Zugang zu den von ihnen in Schule und anderen Lernfelder erworbenen Haltungen zu Lernen und Lerngewohnheiten. Lernbarrieren lassen sich vielfach biographisch erklären. Damit ist eine zentrale Voraussetzung für deren Bearbeitung gegeben.

Förderung der Lernbeweglichkeit der Lernenden

Weil Geringqualifizierte oftmals festgefahrene Vorstellungen davon haben, Lernen erfolge nach dem Nürnberger-Trichter-Modell, empfiehlt es sich, ihnen ein Lernen mit allen Sinnen zu ermöglichen und sie zu Erfahrungen mit einem Lernen, das auch Freude und Spaß bereiten kann, einzuladen. Das Motto „Lernen kann viele Gesichter haben“, kann wie ein roter Faden einen Kurs durchziehen.

Konsequente Orientierung an den Lerninteressen der Lernenden

Menschen lernen dann, wenn sie mit dem, was als zu Lernendes ansteht, eigene Interessen verbinden. Die Frage nach Lerninteressen ist die Frage nach den Gründen für das Lernen der Teilnehmenden: Macht es für sie Sinn, dieses Lernangebot wahrzunehmen und lohnt es für sie, dass sie ihre Zeit, ihre Energie in diese Lernanstrengung stecken? Kommt dabei für sie was raus? Und ist der Kurs derzeit für sie sinnvoll? All diese Fragen um Lerninteressen können sich im Inneren der Teilnehmenden abspielen. Die Fragen zum Lerninteresse zu verbalisieren und zum Lerngegenstand zu machen ist ein Ansatz, Lernbarrieren entgegen zu wirken und selbstbestimmtes Lernen zu stärken.

CC BY SA 3.0 DE by Rosemarie Klein für wb-web


Quelle

Faulstich, Peter & Grell, Petra (2003): Lernwiderstände aufdecken – Selbstbestimmtes Lernen stärken. Online: www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2003/faulstich03_01.pdf.

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